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Die funktionelle Bewegungsanalyse – der TÜV für Ihren Körper

Wie gut sind Sie in Schuss?

Beweglichkeit 4 Videobild

Mit einem Fahrzeug, das nicht verkehrstauglich ist, würden Sie vermutlich nicht über die Autobahn fahren. Aber ähnliches tun viele Sportler, wenn sie ihren Körper ohne Prüfung den Härten des Trainings aussetzen, um sich auf einen Wettkampf vorzubereiten. Die Lösung, meint Nick Grantham, ist die „funktionelle Bewegungsanalyse“...

Einmal im Jahr bringe ich mein Auto zur TÜV-Prüfung in die Werkstatt, damit ich sicher sein kann, dass es auch verkehrstüchtig ist. Meistens wird irgendetwas beanstandet, was ich dann reparieren lassen muss! Doch selbst wenn mein Auto durch den TÜV kommt, gibt es immer noch einige „Empfehlungen“. Dies sind dann Dinge, die im Laufe der nächsten Monate in Angriff genommen werden sollten, oder Dinge, die zwar nicht unbedingt erforderlich sind, die Leistung des Autos jedoch verbessern würden.
Der Vergleich mag zwar etwas hinken, aber bei unserem Körper ist es ähnlich wie bei einem Auto. Im Laufe der Zeit kommt es zu mechanischen Veränderungen (Verletzungen, Narbengewebe, muskulären Dysbalancen und Schwächen, Beweglichkeitsverlust etc.), die zur Folge haben, dass unser Körper nicht mehr so effizient arbeitet, wie er eigentlich könnte und sollte. Häufig ist dann unsere Bewegungsfähigkeit bei den grundlegenden und elementaren Bewegungen beeinträchtigt. Wird das nicht bemerkt, kompensieren wir diese Beeinträchtigung mit großer Wahrscheinlichkeit, indem wir neue Bewegungsmuster entwickeln. Dies kann schließlich zu Leistungsverlusten und Verletzungen führen.
Den einen einzigen Grund als Ursache von Verletzungen gibt es nicht. Oft ist es jedoch so, dass folgende Faktoren zu Verletzungen beitragen: frühere Verletzungen, geschlechts- und körperbedingte Merkmale, mangelnde Beweglichkeit, schlechtere Leistungsvoraussetzungen wie z. B. beim Vertikalsprung, bei der Reaktionszeit, der Stabilität und dem Gleichgewicht. Doch wenn wir die Qualität unserer grundlegenden und elementaren Bewegungen einem „Bewegungs-TÜV“ unterziehen, können wir sicherstellen, dass wir uns so effizient wie möglich bewegen und somit das Verletzungsrisiko reduzieren.
 


So funktioniert die Bewegungsanalyse

In den 12 Jahren als Kraft- und Konditionstrainer habe ich viele Sportler und Klienten gesehen, die hochintensiv Sport betreiben, aber in ihren elementaren Bewegungen völlig ineffizient waren. Sie kamen scheinbar auch mit schlechten Bewegungsmustern zurecht, indem sie z. B. um ein bereits vorhandenes Problem „herumtrainierten“ oder es vielfach schlicht und einfach vermieden, ihre Schwachstellen zu trainieren! Solche potenziellen, anfänglich jedoch schwer erkennbaren Probleme können bei traditionellen physiotherapeutischen Untersuchungen und Fitnesstests leicht übersehen werden, so dass sich langfristig fundamentale Schwachstellen ergeben. Und wenn dieses Stadium erreicht ist, können auch die besten Programme, Geräte und Coaching-Methoden nicht mehr viel ausrichten.
Ein sehr effektives Bewertungstool, das ich jedes Mal verwende, wenn ich einen Sportler oder Klienten beurteilen soll, ist die funktionelle Bewegungsanalyse (FBA), die von Gray Cook entwickelt wurde, der sie bis heute ständig verfeinert. Cook arbeitet als Physiotherapeut in der klinischen Orthopädie und ist Mitglied im amerikanischen Physiotherapieverband. Dieses einfache Screeningprogramm wurde ursprünglich für Sportler entwickelt, kann jedoch ebenso gut im nichtsportlichen Bereich angewendet werden. Dabei wird von der Grundlage ausgegangen, dass die Entwicklung der Bewegungsqualität den Vorrang vor der Entwicklung der Bewegungsquantität hat.(1,2) Die FBA besteht aus 7 Tests, mit denen Mobilität und Stabilität beurteilt werden, um den Funktionsstatus und das Verletzungsrisiko eines Sportlers zu bestimmen.(3,4) Die Zielsetzung dieser Untersuchung ist

  • die Weiterentwicklung der Fähigkeit des Sportlers, elementare Bewegungsmuster auszuführen,
  • die Verbesserung leistungsbezogener sportlicher Fähigkeiten und
  • die Verbesserung sportspezifischer Fertigkeiten und Leistungen.

Im Gegensatz zu anderen Untersuchungsmethoden, die für die Erkennung möglicher Verletzungs- und Bewegungsprobleme nach wie vor wichtig sind, stellt die FBA ein einfaches Screeningtool dar, mit dem es praktisch jedem möglich ist, die Funktionalität seiner Bewegungen zu beurteilen, denn die FBA besteht aus bewegungsorientierten Tests und ist leicht zu handhaben (sie dauert nur ca. 10 Minuten). Dabei ist sie extrem zuverlässig.
Untersuchungen bei amerikanischen Footballspielern zeigten, dass mithilfe der FBA fundamentale Bewegungs-Dysfunktionen wahrgenommen werden konnten. Darüber hinaus können Betreuer hiermit auch besser erkennen, ob eine Verletzung mit Ausfallzeit droht. Bei Spielern, die bei der FBA nur eine Punktzahl von 14 oder weniger erreichten, war die Möglichkeit einer Verletzung um das 11-fache größer als bei den anderen. Spieler mit einer Asymmetrie hatten eine 3-mal größere Verletzungswahrscheinlichkeit.(5)
Andere Studien zeigen, dass die FBA auch bei Sportlern aus Collegeteams und Feuerwehrleuten mögliche Schwachstellen bei den Bewegungsabläufen aufdeckt.(3,6) Die Untersuchungen bei den Feuerwehrleuten ergaben, dass diejenigen, die eine FBA und entsprechende Übungen zur Steigerung von Beweglichkeit und Kraft ausgeführt hatten, bei einer späteren Verletzung eine um 62 % kürzere Ausfallzeit hatten. Zudem sank über einen Betrachtungszeitraum von 12 Monaten die Zahl der Verletzungen im Vergleich zu früheren Daten um 42 %.(5)


Die Vorteile der FBA
 

1. Sie verbessert die funktionelle und sportliche Leistungsfähigkeit.
2. Sie reduziert das Risiko von Trainings- und Sportverletzungen.
3. Sie ist ein einfaches System zur Beurteilung der Beweglichkeit von Sportlern/Klienten.
4. Sie kann sowohl von Sportmedizinern als auch von Fitnesstrainern angewendet werden.
5. Sie zeigt, wo körperliche Dysbalancen oder Schwachstellen sind.
6. Sie ermöglicht den Trainern eine individuellere Gestaltung ihrer Trainingsprogramme, die dem Sportler/Klienten zu besseren Ergebnissen verhilft.
7. Sie hilft dem Trainer und dem Sportler/Klienten, den Unterschied zwischen Bewegungsqualität und Bewegungsquantität zu erkennen.
8. Sie ermöglicht Sporttrainern, Kraft- und Konditionstrainern, Personaltrainern und Physiotherapeuten im Rahmen der Prävention von Nicht-Kontakt-Verletzungen die Erkennung aktueller Verletzungstrends und die Analyse von Verletzungsstatistiken.
9. Sie ermöglicht Trainern die Erkennung möglicher Ursache-Wirkungs-Beziehungen bei Mikrotraumen und chronischen Verletzungen in Zusammenhang mit Bewegungs-Asymmetrien.(1,2)


Die einfache Auswertung
 

Die Auswertung der FBA ist ganz einfach und erfolgt anhand einer Punktbewertung. Jeder Test beinhaltet lediglich 4 Möglichkeiten. Diese zeigen auf, wo eventuell Probleme bestehen und geben so Auskunft, wo der Sportler/Klient Mängel bekämpfen sollte.
Die Punkte werden wie folgt vergeben:

  • keine Probleme 3 Punkte
  • kleine Probleme (geringe Einschränkung der Beweglichkeit) 2 Punkte
  • große Probleme (starke Einschränkung der Beweglichkeit) 1 Punkt
  • Schmerzen beim Ausführen der Bewegung 0 Punkte (die schmerzhafte Stelle sollte von einem Arzt gründlich untersucht werden)

Die ersten 3 Übungen
 

Die FBA beinhaltet 7 Basis-Tests und ist der ideale Rahmen für die Beurteilung eines Sportlers. Eine ausführliche Beschreibung der einzelnen Tests und Ausgleichsübungen würde den Rahmen dieses Artikels sprengen. Nachfolgend zeigen wir Ihnen daher, worum es bei der FBA geht, wie die 3 Tests für den Unterkörperbereich durchgeführt werden (der Test für den Oberkörperbereich folgt in Teil 2) und wie Sie die Ergebnisse auswerten und eventuelle Problembereiche erkennen.


Fazit
 

Mithilfe der in diesem Artikel vorgestellten einfachen und effektiven Bewegungsanalyse können Sie die funktionelle und sportliche Leistung Ihrer Klienten verbessern und gleichzeitig die Möglichkeit einer Verletzung bei Training und Sport reduzieren. Im 2. Teil dieses Artikels werden die übrigen 4 Tests der funktionellen Bewegungsanalyse vorgestellt. Dabei werden Schultermobilität, Rumpfstabilität bei Liegestützen, Drehstabilität und Stabilität beim Anheben der gestreckten Beine überprüft. Aber dazu dann im 2. Teil mehr.

Nick Grantham ist Kraft- und Konditionstrainer und trainiert seit 10 Jahren Spitzensportler.

Quellenangaben
1.Cook, G. Athletic Body In Balance, Human Kinetics, 2003
2.G. Cook, L. Burton & K. Fields Functional Movement Screen (self published training manual for the FMS)
3.C. Murphy Functional movement screening of NCAA Division II male and female athletes. MS Thesis, 2001
4.Journal of Strength & Conditioning Coach, 2007, Bd. 15 (4), S. 34
5.North American Journal of Sports Physical Therapy, 2007; Bd. 2 (3), S.147158
6.Journal of Occupational Medicine & Toxicology, 2007, Bd. 2 (3)

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