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Die Geheimnisse erfolgreichen Coachings
Analysieren und optimieren Sie Ihren Trainingsplan!
Damit Sportler sich gezielt weiterentwickeln können, müssen Trainer geeignete Programme mit vernünftigen Trainingsprinzipien aufstellen. Andy Harrison meint, die Trainer sollten darin bestärkt werden, Verfahren, Methoden und Variablen, die sie einsetzen oder einsetzen könnten, kritisch zu hinterfragen, um Trainingsinterventionen zu entwickeln und die Wirksamkeit ihrer Programme richtig einzuschätzen.
Was genau macht den Erfolg aus?
Es gibt 4 wesentliche Voraussetzungen für ein erfolgreiches Coachingprogramm:
- Festlegung des Trainingsbedarfs – Beim Training wird eine physiologische Belastung auf den Körper ausgeübt, um eine adaptive Reaktion herbeizuführen, die eine Leistungsverbesserung zur Folge hat. Um effizient zu sein, muss eine Trainingsintervention auf eine Komponente der Sportbewegung positiv einwirken. Daher ist es wichtig, solche Schlüsselkomponenten der sportlichen Aktivität zu erkennen.
- Individualisierung des Programms – Kennt ein Trainer die Anforderungen eines bestimmten Sports, so kann er für den Sportler ein Profil erstellen und ihn einschätzen, um die jeweiligen Stärken und Schwächen in Bezug auf die Leistungsanforderungen zu erkennen. Mithilfe eines Shuttle-Run- (Bleep-)Tests lässt sich z. B. feststellen, ob ein Fußballer über genügend aerobe Kapazität für diesen Sport verfügt. Damit jeder Sportler Fortschritte machen kann, müssen die Trainingsprogramme auf die unterschiedlichen individuellen Erfordernisse eingehen. Die Sportler müssen als Individuen betrachtet werden. Wenn sie nur nach allgemein gültigen Trainingsprogrammen agieren, wird sich im Wettkampf nicht der gewünschte Erfolg einstellen.
- Festlegen von Zielen – Einfach abzuwarten und auf eine bessere Leistung zu hoffen, reicht definitiv nicht aus. Trainer und Sportler müssen ein konkretes, angemessenes sportliches Leistungsziel aufstellen. Olympiasieger werden zu wollen ist zwar ein tolles Ziel, auf dem Weg zu solchen langfristigen Zielen müssen jedoch kurz- und mittelfristige leistungsbezogene Ziele gesteckt werden. Die Trainer müssen ihrem Sportler dabei helfen, zu erkennen, dass große Ziele nur aufgrund von Erfahrung und früheren Leistungen aufgestellt werden können.
- Erstellen eines Plans – Während des Trainings erfolgt eine physiologische Belastung, an die der Körper sich (hoffentlich) anpasst. Dabei ist die Anpassung (Adaption) kein einfacher Prozess. Die Wirkmechanismen sind ziemlich komplex, denn bei jeder Trainingsintervention kommt es zu einer Reihe von akuten, direkten, kumulativen, verzögerten und ehemaligen Effekten. Eine effiziente Möglichkeit zur Optimierung der Adaption, ist ein periodisierter Trainingsplan (Auch über das Thema Periodisierung finden Sie einen interessanten und ausführlichen Bericht auf unserer Seite.).
Der Begriff „Periodisierung“ bezeichnet im Allgemeinen den systematischen Aufbau und die zeitliche Ablaufplanung der Wettkampfvorbereitung und des sportlichen Wettkampfs selbst. Dazu wird die Saison oder das Jahr in einzelne Phasen mit bestimmten Zielen, Trainingsbelastungen oder Trainingsinhalten eingeteilt. So ist eine optimale Anpassung möglich und der Sportler wird auf das Erreichen von Höchstleistungen vorbereitet. In einem Erfolg versprechenden Programm werden normalerweise verschiedene Leistungsfaktoren optimal miteinander kombiniert. Zudem sollten die Schwerpunkte sowie die Trainingsbelastung variiert und ein hohes Maß an Individualisierung geboten werden, sodass das Programm speziell auf den Sportler zugeschnitten ist.
Die Kunst des Coachings
Die meisten Trainer und Sportwissenschaftler vertreten einhellig die Meinung, dass die vorhandenen theoretischen Grundlagen immer noch nicht ausreichen, um „optimale“ Vorgaben für die Reihenfolge und das richtige Maß in Training und Wettkampf machen zu können. Darüber hinaus lassen sich trotz des umfangreichen Wissens, das wir heute haben, immer noch nicht mit akzeptabler Genauigkeit die Art, die Geschwindigkeit und der Grad der Adaption vorhersagen, der sich aus miteinander konkurrierenden Trainingsmaßnahmen ergibt.
Es gibt reichlich Literatur über geeignete Methoden und Protokolle für die Entwicklung oder Aufrechterhaltung individueller Leistungsfaktoren (wie Maximalkraft, anaerobe Kapazität, aerobe Ausdauer etc.). Folglich hat die Kunst des Coachings nicht unbedingt etwas mit der Ausarbeitung von Trainingsinterventionen für einzelne Leistungsfaktoren zu tun. Sie besteht vielmehr darin, Aktivitäten, die verschiedene Leistungsfaktoren gleichzeitig behandeln bzw. betonen, bestmöglich in einen Mikrozyklus oder einen längeren Trainingsabschnitt zu integrieren.
Wie wirksam ist Ihr Trainingsprogramm?
Abbildung 1 zeigt ein Standardverfahren für den Aufbau und die Überwachung eines Trainingsprogramms.
Von zentraler Bedeutung bei jedem Verfahren ist jedoch, dass der Trainer das Ergebnis des Programms und dessen Wirksamkeit im Hinblick auf die gewünschte adaptive Reaktion beurteilt.
Bei seinen Überlegungen über die Wirksamkeit der Trainingsintervention muss sich der Trainer folgende 4 Fragen stellen:
- Was war geplant?
- Was wurde bereits ausgeführt?
- Welches Ergebnis wurde hierbei erzielt?
- Wie verhält sich dieses Ergebnis im Vergleich zum gewünschten Ergebnis?
Diese Überlegungen scheinen eigentlich etwas ganz Normales und einfach anwendbar zu sein. In der Praxis kann eine sinnvolle Anwendung jedoch herausfordernd und auch zeitaufwändig sein. Die Methoden, mit denen die Trainer häufig arbeiten, sind Labor- und Feldmessungen (um den Fortschritt bei den wichtigen Leistungsindikatoren zu messen), Ergebnisse aus den Wettkämpfen (um das Leistungsvermögen des Sportlers unter sportspezifischen Bedingungen zu beurteilen), sowie Trainingstagebücher. In ein Trainingstagebuch werden normalerweise die ausgeübten sportlichen Aktivitäten, die Bedingungen während des Trainings, sowie subjektive Kommentare (z. B. wie viel Stress der Sportler empfand) eingetragen. So können die Sportler ihre Leistung rückwirkend selbst analysieren.
Damit solche Aufzeichnungen auch richtig interpretiert werden, ist es äußerst wichtig, dass sie während der Programmentwurfsphase gründlich durchdacht werden. In der Gestaltungsphase muss festgelegt werden, welche Variablen protokolliert werden. Außerdem muss ein System bestimmt werden, mit dessen Hilfe diese Daten regelmäßig genau definiert, zusammengetragen und quantifiziert werden können (siehe Kasten 1).
Die Sportler reagieren auf Trainingsmaßnahmen ganz unterschiedlich. Einen für alle gleichermaßen „richtigen Weg“ gibt es daher nicht. Wenn eine bestimmte Methode bei einem Sportler nicht funktioniert, sollte man besser darauf verzichten, auch wenn sie bei anderen Sportlern wirksam ist. Genaue Aufzeichnungen sind bei der Evaluierung von Trainingsmethoden sehr hilfreich.
Kasten 2 enthält Beispiele für Fragen, die Sie im Hinblick auf die Beurteilung der Wirksamkeit von Trainingsprogrammen stellen sollten. Um diese beantworten zu können, muss der Trainer jedoch bereits Quantifizierungsverfahren angewendet haben und diese Ergebnisse mit dem Status in verschiedenen Phasen des Plans abgleichen können.
Nicht nur Vorteile…
Folglich ist die Beurteilung der Wirksamkeit ihres Trainingsprogramms für viele Trainer eine ungeheuer zeitaufwändige, selten erforderliche und auch recht subjektive Sache. Aufgrund der unterschiedlichen Terminologie und Formate sind zudem detaillierte Vergleiche mit anderen Sportlern sehr schwierig.
In den letzten 10 Jahren hat das Angebot an elektronischen Vorlagen von Internet-Firmen bzw. an Softwarepaketen erheblich zugenommen. Solche Programme stellen eine mögliche Alternative zu den herkömmlichen Methoden für die Programmgestaltung und Datenerfassung dar.
Die Software erlaubt dem Trainer in der Regel eine Personalisierung der Struktur, Terminologie und verwendeten Variablen, sodass die Aktivitäten sowohl mit quantitativen als auch qualitative Parametern beschrieben werden können. Da zusätzlich zu den Aktivitäten und Leistungsergebnissen auch Tests definiert werden können, ist es möglich, für jeden Sportler nach und nach eine Datenbank aufzubauen.
Manche Pakete bieten auch die Möglichkeit, normative Daten einzugeben, und verfügen über Vorlagemasken für eine Quantifizierung und Überwachung. Je nach Anwenderfreundlichkeit des Systems oder Anwenderkenntnissen des Nutzers, kann die Datenbank innerhalb weniger Sekunden bearbeitet werden. Alle relevanten Daten werden geordnet und in einem Format präsentiert, das Analysen und damit Entscheidungsfindungen wesentlich einfacher macht.
Zusammenfassung
Um fundierte Trainerentscheidungen treffen zu können, sind eine regelmäßige Quantifizierung und Evaluierung der Trainingsinterventionen erforderlich. Dieser Artikel zeigt, welche Informationen erforderlich sind, um Trainingsprogramme zu analysieren. Außerdem enthält er eine Liste von Fragen, mit denen die Wirksamkeit der Interventionen kritisch hinterfragt werden kann. Er macht zudem deutlich, wo herkömmliche Aufzeichnungsmethoden ihre Grenzen haben und wie Daten, mithilfe von Computersoftware, wesentlich einfacher aufgezeichnet und ausgewertet werden können.
Der Erfolg eines Trainingsprogramms lässt sich nicht genau vorhersagen. Selbst die besten Trainer haben hier und da Probleme. Immer das Gleiche zu machen, aber trotzdem bessere Ergebnisse zu erwarten, ist kurzsichtig. Aber genau das machen Trainer, wenn sie keinen analytischen Rahmen haben, der ihnen mehr Klarheit in Bezug auf die individuellen Reaktionen des Sportlers verschafft. Eine systematische Vorgehensweise beim Training ist entscheidend dafür, dass ein Sportler sein Potenzial maximal entfalten kann, und zwar unabhängig davon, welches Leistungsniveau er hat.
Sportler sind im Grunde einzigartige „Einmann-Experimente“, und je besser der Sportler ist, desto komplexer ist das Experiment. Es ist die Aufgabe des Trainers, die Trainingsbelastung festzulegen bzw. die Trainingsintensität zu steigern oder zu mindern, um das Training erträglich zu gestalten. Der Trainer muss immer sehr aufmerksam sein, damit er all die kleinen Veränderungen bemerkt, die einen kontinuierlichen Fortschritt deutlich machen oder Verbesserungsbereiche aufzeigen. Und er muss darauf achten, dass im Training nicht Routine und Gewohnheit Einzug halten!
Andy Harrison war über 10 Jahre Leistungssportler. Derzeit ist er für das English Institute of Sports tätig.
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