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Schlappes Immunsystem
So bringen Sie es mit Nährstoffen wieder auf Trab!
Als Sportler werden Sie wissen, dass sportliche Aktivität – besonders bei Ausdauersportarten – Ihr Immunsystem belasten kann. So scheint es, dass hoch-aktive Wettkämpfer und Sportler anfälliger für Infektionskrankheiten sind. Vielleicht leben Sie so länger, Sie werden jedoch im Laufe Ihres Lebens mehr als Ihren “gerechten“ Anteil an Erkältungen und grippalen Infekten abbekommen.
Anhand solcher Statistiken ist es jedoch schwierig, genaue Ursachenforschung zu betreiben. Bakterien und Viren können schnell innerhalb eines Teams verbreitet werden, da die Mitglieder viel Zeit in engem körperlichem Kontakt miteinander verbringen. So könnten Husten und Erkältung auch die Folge von kalter (und möglicherweise verschmutzter) Luft sein, die während des Trainings eingeatmet wird. Experten räumen mittlerweile ein, dass es starke Anzeichen dafür gibt, dass intensives Training das Immunsystem angreift. Die Debatte über die genauen Einflüsse, und wie sie wirken, hält jedoch an.
Wie intensiv und wie lange?
Es gibt zunehmend mehr Belege, dass die Trainingsintensität und -dauer Schlüsselfaktoren dafür sind, dass sportliche Aktivität Ihr Erkrankungsrisiko beeinflusst. Gemäßigtes Training scheint eher einen positiven Einfluss auf das Immunsystem auszuüben, insbesondere bei älteren Personen. So führten beispielsweise Wissenschaftler der Universität Neufundland in Kanada eine 3-monatige Studie über die Auswirkungen mäßiger sportlicher Betätigung auf Personen im Alter ab 65 Jahren durch. Im Vergleich zu einer Kontrollgruppe desselben Alters zeigten die Testpersonen eine verbesserte Reaktion der T-Zellen (wichtige Immunzellen im Blut) und verbrachten durchschnittlich 40 % weniger Zeit mit Atemwegsinfektionen im Krankenhaus.
Einige Experten halten 45 Minuten gemäßigtes Training pro Tag, im Hinblick auf das Immunsystem, für optimal. Diese Angabe scheint jedoch in Bereichen mit fehlendem Detailwissen übermäßig eingeschränkt.
Intensiver Ausdauersport hingegen scheint dem Immunsystem eher zu schaden. Alle Belege tendieren dahin, dass hoch intensives Training die T-Zellen-Aktivität vermindert. So liegt die Konzentration der weißen Blutkörperchen bei Marathonläufern mindestens 25 % unter dem Durchschnitt. Auch ist die Konzentration natürlicher Killerzellen bis 6 Stunden nach einem Rennen reduziert.
Falls Sie eine Ausdauersportart betreiben oder einen Sport mit intensivem Training, werden Sie vielleicht schon bemerkt haben, dass Sie anfällig für Krankheiten sind. Was können Sie dagegen tun, außer auf Ihr Training zu verzichten und zum Sesselhocker zu werden? Sie können so essen, dass Ihr Immunsystem unterstützt wird. Einige Nährstoffe sind unvorteilhaft, während andere das Immunsystem richtiggehend ankurbeln.
Mikronährstoffe und Immunreaktion
In den letzten Jahren hat das Interesse an der Beziehung zwischen “Mikronährstoffen“ (wie z. B. Vitaminen, Mineralien und andere, aus Nahrung gewonnenen Stoffen) und dem Immunsystem zugenommen. Viele der früheren Studien auf diesem Gebiet wurden vor dem Hintergrund durchgeführt, Erwachsene und Kinder mit Mangelernährungszuständen zu behandeln. Infektionen sind eine weit verbreitete Todesursache bei akuter Nahrungsmittelunterversorgung – das Immunsystem wird durch verschiedene Zustände der Mangelernährung ernsthaft beeinträchtigt. Die Studien in diesem Bereich halfen festzulegen, welche Nährstoffe zur Wiederherstellung eines gesunden Immunsystems am dringlichsten verabreicht werden müssen.
Die Erkenntnisse aus dieser Forschung können nun unter weniger schlimmen Umständen auf andere Gebiete übertragen werden. Denn die Unterversorgung mit wichtigen Nährstoffen hat erhebliche Auswirkungen auf das Immunsystem, auch wenn keine grundsätzliche Mangelernährung angezeigt ist. Tatsächlich reagiert das Immunsystem sehr sensibel auf eine verminderte Aufnahme von Mikronährstoffen, wobei eine Beeinträchtigung der allgemeinen Aktivität als Frühphase eines Mangelzustandes gesehen wird. So kann z. B. ein isolierter Zinkmangel eine ganze Reihe immunabhängiger Probleme hervorrufen, wie z. B. langsamere Wundheilung oder ein erhöhtes Hauterkrankungsrisiko.
Vitamin A
Vitamin A wird schon lange als zentral für die Aufrechterhaltung des Immunsystems angesehen. Vitamin-A-Mangel führt zu einer leichten Gewichtsabnahme des Thymus, der Hauptdrüse des T-Zellen-Systems. In Tierversuchen führte ein Mangel zu einer reduzierten Anzahl von T-Zellen. Auch wurde die Antikörper-Produktion der B-Zellen dadurch unterdrückt.
In Früchten und Gemüse enthaltenes B-Carotin, welches vom Körper in Vitamin A umgewandelt werden kann, spielt ebenfalls eine isolierte Rolle bei der Immunstärkung. Dies mag damit in Zusammenhang stehen, dass es auch als Antioxidationsmittel wirkt.
Vitamin A ist in hoher Dosierung giftig; B-Carotin ist relativ ungefährlich.
Enthalten in:
- Vitamin A – Leber, Eier, Milch, Butter, Margarine
- B-Carotin – Rote Beete, Karotten, grünes Blattgemüse
B Vitamine
Vitamin B6 gilt als Schlüsselvitamin für das Immunsystem, da es in den Aufbau von Immunzellen eingebunden ist. Bei Tieren führt eine Mangelerscheinung zu starken Veränderungen der Immunreaktion: Der Thymus wird kleiner und die zelluläre Immunität wird beeinträchtigt. Nach der Immunisierung nimmt die Antikörperbildung ab. Jedoch kommt eine Vitamin-B-Mangelerscheinung bei Menschen nur sehr selten vor und tritt in der Regel nur im Zusammenhang mit einer generellen Mangelernährung auf. Es wird nicht empfohlen, hoch dosierte Mengen (über 50 mg) einzunehmen, da Nebenwirkungen auftreten können. Enthalten in: Fleisch, Fisch, Eiern, Vollkorngetreide, Nüssen und Keimen. Auch Folate werden als wichtig für die Aufrechterhaltung eines gesunden Immunsystems erachtet. Enthalten in: Leber und grünem Blattgemüse.
Alle anderen B-Vitamine üben nur einen minimalen Einfluss auf die Immunreaktionen aus.
Vitamin C
Seitdem der Träger des Nobelpreises, Linus Pauling, das Hinunterschütten von Vitamin-C-Megadosen propagierte, tobt die Debatte darüber, ob durch Vitamin C Infektionen verhindert werden können oder nicht. Natürlich spielt Vitamin C eine Rolle in der Aufrechterhaltung einiger Teilbereiche des Immunsystems. Insbesondere hält es Makrophagen (Zellen des Immunsystems) frisch und in der Lage, Bakterien aufzunehmen. Es scheint nicht so wichtig für die zelluläre Immunität und die Produktion von Antikörpern zu sein. Enthalten in: Früchten und Gemüse.
Zink
Zink steht schon lange im Fokus vieler Immunsystem-Studien, insbesondere bei der Behandlung von Mangelernährungszuständen. Wenn dieses Mineral fehlt, werden die Lymphdrüsen kleiner, allergische Hautreaktionen erfolgen verspätet (dies deutet auf eine beeinträchtigte T-Zellen-Reaktion hin) und die Hormonaktivität des Thymus ist niedriger. Tiere zeigen die gleichen Reaktionen, nebst einer reduzierten Killerzellen-Aktivität. Das Interesse an der Rolle, die Zink bei der Makrophagenaktivität spielt, ist in letzter Zeit sprunghaft gestiegen. Die Wundheilung wird beeinträchtigt.
Nehmen Sie es nicht zu hoch dosiert ein – dadurch kann das Immunsystem sogar unterdrückt werden. Ebenso sollten Sie berücksichtigen, dass Eisenzusätze die Zinkaufnahme beeinträchtigen können. Enthalten in: Fleisch, Nüssen und Keimen, Vollkorn, Milch.
Eisen
Eisenmangel ist weltweit das am weitesten verbreitete Ernährungsproblem. Bei einigen Sportarten ist die Gefahr eines Eisenmangels u. U. erhöht. So scheinen Langstreckenläufer häufiger eine schlechte Eisenbalance zu haben und auch wirken sie anfälliger für eine durch Training hervorgerufene Blutarmut.
Es scheint eine verbreitete Volksweisheit zu sein, dass die Einnahme von zusätzlichem Eisen hilfreich ist, wenn Sie nicht ganz auf der Höhe oder häufig erkältet sind. Die Eisen-Immunsystem-Bilanz ist jedoch nicht ganz so einfach. Einerseits benötigen natürliche Killerzellen, Neutrophile und Lymphozyten Eisen, um optimal arbeiten zu können. Andererseits jedoch unterstützt nicht gebundenes Eisen auch das Bakterienwachstum. Wissenschaftler haben entdeckt, dass die Bakterienvermehrung verlangsamt wird, wenn man Eisen chemisch aus einer Reagenzglaslösung entfernt. Das lässt einige Experten darauf schließen, dass Eisenmangel doch ein eleganter Weg sei, um bakterielle Infektionen einzugrenzen. Die bisher vorliegenden klinischen Informationen scheinen diesen Schluss jedoch nicht zu untermauern.(2)
Wäre es ratsam, Ihre Eisenaufnahme zu erhöhen, wenn Sie das Gefühl haben, dass Ihr Immunsystem angekurbelt werden muss? Eines ist ganz sicher: Zuerst einmal müssen Sie wissen, ob Sie überhaupt an Eisenmangel leiden. Ansonsten wird Ihnen die Einnahme von Eisenpräparaten nicht nützen. Falls Sie glauben, an Blutarmut zu leiden, dann bitten Sie Ihren Arzt um einen Bluttest. Bei Eisen handelt es sich auf jeden Fall um einen Nährstoff, bei dem ein “Zuviel“ nicht von Nutzen sein wird. Enthalten in: Rotem Fleisch, Vollkorn, Hülsenfrüchten und Bohnen.
Aminosäuren
Aminosäuren beeinflussen die Immunreaktion auf vielfältige Art und Weise. Ein Mangel an bestimmten Aminosäuren führt zu einem Rückgang von Antikörper-Reaktionen. Bei anderen Aminosäuren wird bei einem gestörten Gleichgewicht evtl. die Gesamtreaktion erhöht. Unter Umständen sind hier Veränderungen bei den T-Suppressor-Zellen aufgetreten. Insbesondere gibt es Hinweise darauf, dass Glutamin und Arginin eine immunstimulatorische und infektionsunterdrückende Rolle spielen. So ergab z. B. eine Studie in einem Bostoner Krankenhaus, dass Patienten mit einer Störung des Immunsystems, nach der Einnahme von zusätzlichem Glutamin über einen Zeitraum von ungefähr einem Monat, sehr viel widerstandsfähiger gegen Infektionskrankheiten wurden.
Auch existieren Hinweise darauf, dass Ausdauersportler zusätzliches Glutamin benötigen. So fanden der Biochemiker Eric Newsholme und seine Kollegen an der Universität in Oxford heraus, dass die Glutaminkonzentration im Blut von Marathonläufern während des Rennens um bis zu 25 % sinkt. Dieselben Wissenschaftler fanden auch heraus, dass die Glutaminkonzentration in den Blutproben von Sportlern, die am Übertrainingssyndrom litten, ebenfalls sehr niedrig war.
Die Anbindung freier Radikaler
Bei freien Radikalen handelt es sich um hoch aktive Moleküle, die hauptsächlich bei der Energiegewinnung durch Sauerstoff im Körper hergestellt werden. Wir können zusätzlich freie Radikale aufnehmen, wenn wir Nahrungsmittel zu uns nehmen, die mit ranzigem Fett zubereitet wurden, wenn wir rauchen oder Alkohol trinken. Lässt man sie frei schalten und walten, so können Sie eine Spur der Zerstörung im gesamten Körper hinterlassen, und – dies ist von großer Relevanz für das Immunsystem – sie werden die Zellmembranen angreifen und zerreißen. Insbesondere hat sich herausgestellt, dass freie Radikale die Zellmembranen der weißen Blutkörperchen angreifen. Dies wiederum beeinträchtigt das Immunsystem.
Falls Sie körperlich außerordentlich aktiv sind, benötigen Sie zusätzlich Energie. Dies wiederum bedeutet, dass Sie dafür mehr Sauerstoff produzieren müssen. Leider heißt das auch, dass Sie als unerwünschten Nebeneffekt mehr freie Radikale bilden. Das Ende vom Lied? Sportler sind anfälliger für Schäden, die durch freie Radikale verursacht werden – inkl. für Schäden an den Immunzellen. Aber noch ist nicht alles verloren. Diese Schäden können durch eine erhöhte Einnahme von „Antioxidationsmitteln“ minimiert werden – Substanzen, welche die zerstörerischen Moleküle neutralisieren. Zu den Antioxidationsmitteln gehören Vitamin C, E, B-Carotin und Selen.
Ferner wurden in einer neuen Studie die Auswirkungen von Zinkzugaben auf trainingsbedingte Veränderungen des Immunsystems untersucht. Fünf männlichen Läufern wurde willkürlich die Einnahme eines Zinkpräparates bzw. eines Plazebos zugewiesen. Die Einnahme erfolgte 2-mal täglich über 6 Tage hinweg. Das eindeutigste Ergebnis ergab, dass durch die Zinkzugabe die trainingsbedingte Vermehrung der freien Radikalen durch bestimmte Immunzellen blockiert wurde. Daher spekulierten die Autoren: „Eventuell wirkt sich der Rückgang der Bildung freier Radikaler durch Zn-Zusätze positiv auf Personen aus, die über längere Zeiträume unter chronischem körperlichen Stress leiden.“
Es gibt erhebliche Belege, dass zu viel Fett Ihrem Immunsystem schadet. So wird eine fettreiche Ernährung (mehr als 30 % der Kalorien besteht aus Fett) mit einem Rückgang der Immunreaktionen in Verbindung gebracht. Dies schließt auch eine verminderte zelluläre Immunität sowie eine Abnahme der Funktion der natürlichen Killerzellen ein. Noch ein Grund dafür, Ihre Fettaufnahme zugunsten von Kohlehydraten zu reduzieren!
Janet Pidcock
Quellenangaben:
- The Physician and Sports Medicine, Bd. 8, S. 97–100
- American Journal of Clinical Nutrition, Bd. 53, S. l087–1101
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