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Wirkung von Medizinballübungen

Funktioniert Medizinballtraining wirklich?

Medizinballtraining wird bei Athleten immer populärer. Volleyballspieler werfen und fangen Medizinbälle (schwere Bälle mit 1 7,5 kg Gewicht), um ihre Fähigkeit zum Durchwerfen  zu erhöhen, Basketballspieler verwenden die Bälle, um besser zu passen und wieder zurückzugeben, Baseballspieler stoßen Medizinbälle, um ihre Wurfgeschwindigkeit zu verbessern, und Allround-Athleten machen Kapriolen mit den Bällen in der Hoffnung, ihre „Kernstärke“ (Muskelkraft in Hüften, Unterleib und Rücken) zu fördern.

Obwohl Medizinbälle definitiv en vogue sind, ist eine recht wichtige Frage noch nicht beantwortet worden: Funktionieren die verdammten Dinger überhaupt? Um diese Frage zu beantworten, verpflichteten Wissenschaftler an der Southern Cross-Universität in Australien kürzlich 24 Nachwuchs-Baseballspieler zu einem 8-wöchigen Trainingsprogramm. Während der 8 Wochen beschäftigten sich 8 der Athleten mit Medizinball-Übungen, während 8 andere an konventionellen Krafttrainings-Sitzungen teilnahmen und 8 weitere Athleten als Kontrollgruppe dienten.

 

Medizinball versus Bankdrücken

Das Medizinballtraining fand 2 Mal die Woche statt und bestand aus explosiven, mit beiden Händen geführten Brustpässen und sehr anstrengenden, beidhändigen Würfen über Kopf, wobei ein 3 kg schwerer Medizinball verwendet wurde. Allen Würfen ging eine Gegenbewegung voraus (die Arme zurück in die der Bewegung entgegengesetzte Richtung bewegen), um sicherzustellen, dass eine explosive (plyometrische) streckungsverkürzende Aktion verwendet wurde. Um die Anstrengung für den Oberkörper zu erhöhen, wurden die Füße für jeden Wurf am Platz gehalten, und die Spieler verwendeten bei jedem Wurf maximale Anstrengung. In den ersten 4 Wochen gab es drei Satz à 8 Wiederholungen für jeden Wurf pro Übung, mit 3 Minuten Pause zwischen den Sätzen. In den abschließenden 4 Wochen gab es 3 Satz à 10 Wiederholungen.

 

Die Gewichtstrainings-Gruppe übte auch 2 Mal wöchentlich und verwendete dabei als Übungen Langhantel-Bankpressen und Langhantel-Überziehen. In den ersten 4 Wochen führten die Gewichtstrainierer 3 Satz à 810 RM-Übungen pro Workout bei sowohl den Bankpressen als auch dem Langhantel-Überziehen durch(mit anderen Worten, sie verwendeten Gewichte, die nur 810 Mal pro Satz gehoben werden konnten). In den abschließenden 4 Wochen benutzten sie 3 Satz à 68 RM für jede Übung. Alle Gewichte wurden langsam und kontrolliert gehoben nicht explosiv. Die Athleten mit den Medizinbällen, die mit dem Gewichtstraining und die Kontrollgruppe nahmen alle während des 8-Wochen-Zeitraums an ihren regelmäßigen Baseball-Übungen teil. Nach 8 Wochen wurden alle Athleten auf maximale Baseball-Wurfgeschwindigkeit und Bankdrück-Kraft getestet.

 

Überraschendes Ergebnis

Das Gewichtstraining erwies sich als bei weitem überlegen gegenüber den Medizinball-Übungen, sowohl bei der Bankdrück-Kraft als auch bei der Wurfgeschwindigkeit. Gewichtstrainierte Athleten erhöhten ihre Baseball-Wurfgeschwindigkeit um 4,1 %, während die Medizinball-Männer das Werfen nur um statistisch unsignifikante 1,6 % förderten. Die Kontrollgruppe versagte ebenfalls darin, ihr Werfen zu verbessern.

 

Ähnlich machte die Bankdrück-Kraft Fortschritte um 23 % bei den gewichtstrainierten Athleten, stieg aber nur um 9 % bei den Medizinball-Werfern. Wieder versagte die Kontrollgruppe darin, sich überhaupt zu verbessern.

 

Welches Vorteile gibt es trotzdem?

Athletik-Trainer und Athleten, die up-to-date sind, mögen das Medizinball-Training, weil es scheinbar spezifischer für ihre wichtigste athletische Aktivität ist als konventionelles Gewichtstraining (einen Medizinball zu werfen, ist dem Werfen eines Baseballs oder Basketballs ähnlicher als ein schweres Gewicht zu heben, und es ist schwer sich vorzustellen, warum das Heben eines Gewichts die Wurffähigkeit verbessern würde). Baseballteams aller Wettbewerbsebenen verwenden Medizinbälle in ihren Trainingsprogrammen.

Allerdings: Obwohl Medizinball-Übungen spezifischer sind, verwenden sie geringere Gewichte im Vergleich zu traditionellen Krafttrainings-Übungen. Die meisten Athleten werfen mit Medizinbällen, die weniger als 4,5 oder 5 kg wiegen, während beim Krafttraining beträchtlich höhere Gewichte eingesetzt werden. Es scheint, dass der Einsatz höheren Gewichts die Vorteile des spezifischen Trainings in diesem Fall überwiegt. Die maximale Gliedmaßen-Schnelligkeit scheint eine Funktion der Kraftentwicklung und des gesamten Kraftausstoßes zu sein, die beide ziemlich dramatisch durch die Verwendung recht schwerer Gewichte gefördert werden.

Die Schlussfolgerung der Forscher lautete: Vielleicht ist die Mehrbelastung der Muskeln beim Beschleunigen eines 3 kg schweren Medizinballs nicht genug, um eine Trainingswirkung zu erzeugen.

„Baseball Throwing Velocity: A Comparison of Medicine Ball Training and Weight Training”, Journal of Strength and Conditioning Research, 1994, Bd. 8 (3), S. 198–203

 

Kommentare

Zur Auslegung des wissenschaftlichen Versuches würde ich gerne eine Bemerkung machen:
Das Ergebnis klingt für mich durchaus glaubwürdig. Jedoch sollte man nicht vergessen, dass es sich hier um sehr gut trainierte Probanden handelte. Man kann durchaus annehmen, dass die Nachwuchs-Baseballspieler eine voll ausgeprägte Schlagwurftechnik besaßen. Diese ausgefeilte Technik würde sich wohl kaum durch Beidhändige Überkopfwürfe mit einem Medizinball verbessern lassen. Dazu sind die Wurfarten zu unterschiedlich. Die Maximalkraft hat jedoch erhebliche einflüsse auf die Wurfkraft. Dass diese mit gezieltem Krafttraining (Bankdrücken) mehr verbessert wird, als durch Medizinballwürfe liegt ebenfalls in der Natur der Sache.
Würden aber nun statt geübten Baseballspielern untrainierte, schlechte Werfer den selben Versuch starten, würde ich es für möglich halten, dass das Training besser ausfällt.
Außerdem sollte erwähnt werden, dass das Medizinballwerfen gerade im Kinder- und Jugendalter sowieso vorzuziehen ist! Für diese ist Krafttraining mit so hohen Belastungen wie im Bereicht kaum zu empfehlen. Außerdem sollte hier wohl nicht nur die Karftentwicklung, sondern vor allem die Bewegung an sich und der Spaß am Sport im Vordergrund stehen.